Teil 2: Frauen in der Pandemie - wie fühlen sie sich?

Serie 2

Susanne (44), Altenpflegerin, verheiratet, 1 Tochter (15)

Mein Beruf in der Altenpflege ist recht anstrengend und bringt sowohl zeitliche als auch körperliche Belastungen mit sich. Durch Corona erfahre ich einen zusätzlichen Mehraufwand. Die Bewohner müssen betreut und getestet werden, gleichzeitig muss man Familienersatz für sie sein, in diesen Zeiten umso mehr. Durch die eingeschränkten Kontakte  spüren wir ihre Einsamkeit und die Unsicherheit vor der Vermummung. Besonders Demenzkranke erfordern unsere Aufmerksamkeit. Sie sollen nicht das Gefühl bekommen, dass sie plötzlich keiner mehr will. Da sie die Situation nicht verstehen, schadet ihnen die Distanz sehr. Sie fühlen sich einsam.

Es gehört auch zu meinen Aufgaben, die Angehörigen zu beraten, beruhigen und aufzuklären. Viele verstehen die Schutzmaßnahmen nicht, wollen sie nicht akzeptieren. So passiert es -schwupps, sobald man den Raum verlässt, fällt die Maske und die Mama wird getätschelt. Jedoch ist es bei uns wichtig, sich an die Regeln zu halten. In unserem Heim hatten wir durch Hygienemaßnahmen und frühzeitiges Reagieren zum Glück keinen einzigen positiven Fall, auch wurden Bewohner und Personal bereits geimpft.

Ein Problem ist allerdings die ärztliche Versorgung, denn die Ärzte kommen einfach nicht. Es werden Ferndiagnosen gestellt und die Krankenwägen haben Leute oft einfach nicht mitgenommen.

Bedauerlich finde ich, dass man den ganzen Tag mit mehreren Personen arbeiten, aber mit den gleichen Personen am Abend nicht mal einen trinken darf. Man muss das nicht verstehen. Ich finde, wir hätten das manchmal verdient.

Anna ( 93) Jahre, Witwe

Ach, ich weiß nicht, wie das alles noch werden soll! Man muss so vorsichtig sein und darf ja niemandem zu nahe kommen. Meine Kinder und Enkel haben lange Zeit mein Haus gar nicht betreten und hielten sich nur im Hof auf, wenn sie nach mir sehen oder etwas vorbei bringen wollten. Vom Fenster aus habe ich mit ihnen geredet. Wenn sie mich jetzt besuchen wollen, kommen sie einzeln und mit Maske. Sein Leb‘ Tag hat es so was noch nicht gegeben!

Ich erinnere mich, als im Krieg Soldaten auf mich geschossen haben. Ich konnte noch schnell zur Seite springen und die Kugel schlug neben mir in den Boden. Das ist alles nicht schön. Man muss gut auf sich aufpassen!

Anmerkung: Mit der Isolation treten negative Erfahrungen und Ängste zutage, frühere Gefahren werden wieder präsent. 

Martina, (56), verheiratet, Einzelhandelskauffrau

Ich bin beschäftigt in einem großen SB-Kaufhaus. Die Supermärkte funktionieren, das Virus bleibt draußen. Obwohl wir tagtäglich einem riesigen Kundenansturm ausgesetzt sind, hat das Virus bisher noch nicht den Weg zu uns gefunden.

Ich frage mich, ob das der Grund sein sollte, weshalb die Politik bei ihrem Impfplan die Verkäuferin im Lebensmittelbereich, die stets „ihren Mann stehen“ muss, noch nicht auf ihre Prioritätenliste gesetzt hat. Da weit und breit keine Impfung in Sicht ist, bin ich sehr enttäuscht von der Politik! Dabei wäre ich bereit, mich mit jedem Impfstoff impfen zu lassen.

Ärgerlich finde ich auch die Diskussionen um noch längere Öffnungszeiten bzw. die Geschäfte auch noch am Sonntag zu öffnen.

In unserem Markt beobachte ich immer wieder, dass Leute nicht nur kommen um für ihren täglichen Bedarf einzukaufen, sondern diesen als privaten Treffpunkt nutzen, oft ihre Kinder in der Spielwarenabteilung absetzen, um gemütlich herum zu schlendern. Sonst können sie nirgends hin und da bietet es sich an, übermäßig viel Zeit im Kaufhaus zu verbringen.

Immer wieder müssen wir bei der Kontrolle die Leute auch auffordern, die Maske richtig aufzusetzen, obwohl durch ständige Durchsagen darauf hingewiesen wird. Hin und wieder bekommt man dafür eine freche Antwort oder stößt auf aggressives Verhalten. Nicht jeder zeigt Verständnis!

Petra (61) verheiratet, zertifizierte Gästeführerin

Im normalen Leben bin ich passionierte Wanderführerin, verkörpere leidenschaftlich die Gräfin Agnes von Veldenz auf Burg Lichtenberg, biete mit Vergnügen geführte E-Bike- und Raderlebnistouren an. Ich erfreue mich daran, unsere schöne Landschaft zu zeigen und auf versteckte Kleinode aufmerksam zu machen. Für mich ist Kommunikation wichtig -dabei fällt mir oft ein cooler Spruch ein- und es macht mir viel Spaß, mit meiner Musik gute Laune zu verbreiten. Allerdings – das Leben ist mehr normal. Es tut sich halt grad nix.

Ich vermisse kolossal meine Wanderfreunde, die Fahrradfahrer, die Gesellschaft. Nicht nur ich, alle brennen darauf, dass es wieder los geht. Das macht sich in whats App-Gruppen bemerkbar, die wir eigens gegründet haben. Ich kann es kaum erwarten, wieder loszulegen.

Nur so nebenbei, als freie Mitarbeiterin der Kreisverwaltung Kusel habe ich während des gesamten Lockdowns finanziell Komplettausfälle.